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Je suis Charlie

Cartoon by Michael Shaw, published Feb. 2006 in The New Yorker

New Year 2015

Click here to see it as 360 panorama.

Hello world, yet again.

Approximately 6 months ago me and my friends gave up our old, shared server and moved to another bigger, faster one with virtualised servers and automated backup(!). Ever since then my blog has been down and I have shied away from dealing with it… ^^” Well, I started this year with some new year’s resolutions and one of them is to write more!

I’ve been working as a freelance writer for a startup of a friend for some months now and it really has been fun to write again on a regular basis!

Some other resolutions on my list are: Paint more! Learn how to play some barre chords on the uke. Start (and hopefully finish) at least 3 creative projects which demand for my coding skillz. Exercise more! And MIND! 

The year of 2014 has started pretty busy with 4 concerts of my choir ‘HXOS Chor Berlin. In the first two concerts we sang Mahler’s 2nd Symphony (with two other choirs and the “Junges Orchester der FU Berlin”) in the beautiful Gethsemane Church in Prenzlauer Berg and the even more beautiful, but also kind of ostentatious Konzerthaus Berlin. And in the other two concerts, which have taken place in the St. Ludwig Church in Wilmersdorf & the Heilig Kreuz Church in Kreuzberg, we sang songs from the renaissance & baroque, among others Allegri’s “Miserere”, which we sang in complete darkness with some candles. The Heilig Kreuz (Holy Cross) Church was beautifully renovated after it had been partially destroyed during the WWII, and they did a splendid reconstruction job by mixing the lovely neo-baroque red brick walls with modern elements. I couldn’t stop taking pictures and made one of the 360° panorama I took into a tiny planet picture.

heilig_kreuz_kirche

This picture has also inspired me into some Kandinsky like sketches. So the paint more! part of my new year’s resolution seems to be partially covered, and I am curious myself about what will come out of those sketches… 

Finally, I’m thinking about some professional changes, but it’s still too early to reveal more details. But it seems like the beginning of a new year always calls for some big, life changing plans, yet as we all know most of them rarely turns into real actions. I want this year to be different. And right now, as I am writing this (with my feet bare in my imagination), I am kind of positive about it!

Changelog

“I may not have gone where I intended to go, but I think I have ended up where I needed to be.”

– Douglas Adams, The Long Dark Tea-Time of the Soul

After a 3 1/2 weeks trip to China I feel quite inspired and ready for some creative changes. At the moment, I’m writing my travel-journey, and to show off all the pictures from the trip. And I feel that it’s time to crawl into some new skin for my blog. So in the next few days, there will be some major changes here, starting with changing English to the main language. The WordPress theme of my blog will change, too. This will result into some construction work going on here, with messed up layout, conflicting plug-ins  and so on… ^^” Just come back in a few days and  hopefully you will find my report about the really cool trip I had, with lots and lots of pictures…

So bye bye old theme… <3

“Du sollst dir kein Bildnis machen” – Max Frisch

Mir ist heute dieser Text von Max Frisch eingefallen, der wie die Faust aufs Auge zu einem kleinen Streit passt, den ich vorhin mit jemandem hatte:

Du sollst dir kein Bildnis machen
von Max Frisch, aus “Tagebuch 1946-1949”, Verlag Suhrkamp, Frankfurt, S. 27 ff.

Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertigwerden; weil wir sie lieben, solang wir sie lieben. Man höre bloss die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt –

Nur die Liebe erträgt ihn so.

Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für allemal, damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei –

Es ist ohnehin schon wenig genug.

Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind – nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.

“Du bist nicht”, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte, „wofür ich Dich gehalten habe.”

Und wofür hat man sich denn gehalten?

Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat.

Man hat darauf hingewiesen, das Wunder jeder Prophetie erkläre sich teilweise schon daraus, dass das Künftige, wie es in den Worten eines Propheten erahnt scheint und als Bildnis entworfen wird, am Ende durch eben dieses Bildnis verursacht, vorbereitet, ermöglicht oder mindestens befördert worden ist –

Unfug der Kartenleserei.

Urteile über unsere Handschrift.

Orakel bei den alten Griechen.

Wenn wir es so sehen, entkleiden wir die Prophetie wirklich ihres Wunders? Es bleibt noch immer das Wunder des Wortes, das Geschichte macht: –

“Im Anfang war das Wort.“

Kassandra, die Ahnungsvolle, die scheinbar Warnende und nutzlos Warnende, ist sie immer ganz unschuldig an dem Unheil, das sie vorausklagt?

Dessen Bildnis sie entwirft.

Irgendeine fixe Meinung unsrer Freunde, unsrer Eltern, unsrer Erzieher, auch sie lastet auf manchem wie ein altes Orakel. Ein halbes Leben steht unter der heimlichen Frage: Erfüllt es sich oder erfüllt es sich nicht. Mindestens die Frage ist uns auf die Stirne gebrannt, und man wird ein Orakel nicht los, bis man es zur Erfüllung bringt. Dabei muss es sich durchaus nicht im geraden Sinn erfüllen; auch im Widerspruch zeigt sich der Einfluss, darin, dass man so nicht sein will, wie der andere uns einschätzt. Man wird das Gegenteil, aber man wird es durch den andern.

[…]

In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! auch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine heimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage. Wir sind es, die dem Freunde, dessen Erstarrtsein uns bemüht, im Wege stehen, und zwar dadurch, dass unsere Meinung, er sei erstarrt, ein weiteres Glied in jener Kette ist, die ihn fesselt und langsam erwürgt. Wir wünschen ihm, dass er sich wandle, o ja, wir wünschen es ganzen Völkern! Aber darum sind wir noch lange nicht bereit, unsere Vorstellung von ihnen aufzugeben. Wir selber sind die letzten, die sie verwandeln. Wir halten uns für den Spiegel und ahnen nur selten, wie sehr der andere seinerseits eben der Spiegel unsres erstarrten Menschenbildes ist, unser Erzeugnis, unser Opfer –.

[…]