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Very random thoughts on a Wednesday (night)

It’s summer in Berlin! And Berlin during summer is just awesome! <3

The previous winter was a very intense time for me. Mostly of course because of my new job. – Meeting new people, answering new questions and starting new routines often made my head swirl, I had to constantly regain my focus and was “distracted” from a lot of other things. But I have the feeling that I’m gaining back a lot of the control again and have even made some plans for a few side projects…

And I’ve been reading a book with the correspondence and love letters between Paul Celan and Ingeborg Bachmann. Reading intimate love letters while sitting in a Berlin UBahn is a weird thing. My mind is in this very private, sensitive and fuzzy and cosy place, while my ass is sitting on a warm spot from somebody else’s ass, my nose is inhaling millions of different smells and my ears are hearing Justin Bieber from my neighbour’s earpods…

My current favorite podcast: Methodisch Inkorrekt! It has been my go-to podcast for almost a year now, but I just can’t get enough of those two physicists, who talk about topics from the science world and about various others things. – They. Are. Hilarious!

Oh… and favourite song this week: TILTED by Christine and the Queens (the french version is actually better, but I like the dancing part in this version, because it’s not too polished):

Der 52 Jahre alte Brief im “Tod von Venedig”

Vor einigen Wochen habe ich auf einem Flohmarkt mit einigen anderen Büchern zusammen “Der Tod von Venedig” von Thomas Mann gekauft. Vor zwei Tagen blätterte ich dann zum ersten Mal in dem Buch und heraus fiel ein Brief, der auf den 14. Dez. 1958 datiert war – fast auf den Tag 52 Jahre alt. In dem Brief schreibt ein (wahrscheinlich 12/13 jähriger) Junge, der in der Nähe von Mannheim wohnt (auf dem Briefkopf steht Sendenheim, aber die Google-Suche hat nichts ergeben) einem Freund, der wahrscheinlich ein ehemaliger Klassenkamerad war, aber weggezogen ist. Besonders süß ist sind die Themen über die er schreibt, neben einem Briefmarkenklub und Probleme mit einem Schullehrer, erwähnt er Umbautarbeiten des Mannheimer Bahnhofs  und den 300 000ster Bürger von Mannheim, der “genau am Donnerstagnacht um 1.31 Uhr auf die Welt (kam). Du siehst mit der Zeit machen wir uns auch.” Oder auch Redewendungen wie “Das war ein Ding.” und “Aber ich muss dich gleich zweimal tadeln… ” erinnert an einen Jungen aus der Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg.

Da Menschen immer sehr neugierig sind, was in privaten Briefen der Leuten so steht, hier der Brief:

“Du sollst dir kein Bildnis machen” – Max Frisch

Mir ist heute dieser Text von Max Frisch eingefallen, der wie die Faust aufs Auge zu einem kleinen Streit passt, den ich vorhin mit jemandem hatte:

Du sollst dir kein Bildnis machen
von Max Frisch, aus “Tagebuch 1946-1949”, Verlag Suhrkamp, Frankfurt, S. 27 ff.

Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertigwerden; weil wir sie lieben, solang wir sie lieben. Man höre bloss die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt –

Nur die Liebe erträgt ihn so.

Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für allemal, damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei –

Es ist ohnehin schon wenig genug.

Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind – nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.

“Du bist nicht”, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte, „wofür ich Dich gehalten habe.”

Und wofür hat man sich denn gehalten?

Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat.

Man hat darauf hingewiesen, das Wunder jeder Prophetie erkläre sich teilweise schon daraus, dass das Künftige, wie es in den Worten eines Propheten erahnt scheint und als Bildnis entworfen wird, am Ende durch eben dieses Bildnis verursacht, vorbereitet, ermöglicht oder mindestens befördert worden ist –

Unfug der Kartenleserei.

Urteile über unsere Handschrift.

Orakel bei den alten Griechen.

Wenn wir es so sehen, entkleiden wir die Prophetie wirklich ihres Wunders? Es bleibt noch immer das Wunder des Wortes, das Geschichte macht: –

“Im Anfang war das Wort.“

Kassandra, die Ahnungsvolle, die scheinbar Warnende und nutzlos Warnende, ist sie immer ganz unschuldig an dem Unheil, das sie vorausklagt?

Dessen Bildnis sie entwirft.

Irgendeine fixe Meinung unsrer Freunde, unsrer Eltern, unsrer Erzieher, auch sie lastet auf manchem wie ein altes Orakel. Ein halbes Leben steht unter der heimlichen Frage: Erfüllt es sich oder erfüllt es sich nicht. Mindestens die Frage ist uns auf die Stirne gebrannt, und man wird ein Orakel nicht los, bis man es zur Erfüllung bringt. Dabei muss es sich durchaus nicht im geraden Sinn erfüllen; auch im Widerspruch zeigt sich der Einfluss, darin, dass man so nicht sein will, wie der andere uns einschätzt. Man wird das Gegenteil, aber man wird es durch den andern.

[…]

In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! auch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine heimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage. Wir sind es, die dem Freunde, dessen Erstarrtsein uns bemüht, im Wege stehen, und zwar dadurch, dass unsere Meinung, er sei erstarrt, ein weiteres Glied in jener Kette ist, die ihn fesselt und langsam erwürgt. Wir wünschen ihm, dass er sich wandle, o ja, wir wünschen es ganzen Völkern! Aber darum sind wir noch lange nicht bereit, unsere Vorstellung von ihnen aufzugeben. Wir selber sind die letzten, die sie verwandeln. Wir halten uns für den Spiegel und ahnen nur selten, wie sehr der andere seinerseits eben der Spiegel unsres erstarrten Menschenbildes ist, unser Erzeugnis, unser Opfer –.

[…]

Die zornigste Frau aus der Sprengelstraße*

Vielleicht ist der Himmel schon zu lange grau gewesen, vielleicht bin ich heute morgen auch einfach nur mit dem falschen Fuß aufgestanden. Heute war auf jeden Fall mein bisher zornigster Tag des Jahres 2010! (Und das nach 2 1/2 Wochen Jahresbeginn, na das fängt ja schon mal gut an… )

Heute morgen, nach vielen Beinahe-Hinfallen-in-den-dreckigen-Schnee-der-schon-seit-einer-gefühlten-Ewigkeit-liegt, ruderte ich mich endlich mit Händen und Füßen in die Volkswagen-Bibliothek der TU Berlin, lediglich um festzustellen, dass ich mit meinem tubIT-Konto keine WLan-Verbindung von meinem Laptop aus herstellen konnte. Blieb mir nichts anderes übrig als mich an einen Rechner vor Ort zu setzen. Nachdem ich mindestens an drei Mäusen, die an den Terminals angeschlossen sind, gerüttelt habe und erst die vierte Maus mit einem “Klick” den schlafenden Termianlrechner weckte, konnte ich mich auch dort nicht mit meinem tubIT-Konto anmelden. Ich hätte mich ja liebend gerne bei der tubIT nach dem Grund erkundigt, aber das Gastkonto des Bibliothekterminals ließ keine Internetverbindung zu – nicht einmal ins TU-interne Netz.

Nach einigem Aufwand konnte ich dann die Hotline-Nr. der tubIT herausfinden und ließ mir erklären, mein Konto sei alt (ja, stimmt, es ist noch aus der guten, alten ZRZ-Zeit, als ich angefangen habe zu studieren machte man es noch so, bevor man in Namen von “Coporate Identity” damit begann alle Fakultätsseiten zu uniformieren und bald darauf tubIT gebar … ) und ich solle mich doch bitte neu Provisionieren lassen, jedoch nicht mehr heute, die zuständige Stelle sei schon geschlossen. Alles klar! Übrigens… wo war eigentlich die Mail, die mich kurz vorher darüber benachrichtigte, dass mein Konto bald nicht mehr gültig sein wird?

Mit reichlich viel Frust und einem verschwendeten Vormittag beschloss ich der Buchhandlung Hugendubel am Zoo einen Besuch abzustatten, in der Hoffnung Bücher würden mich auf andere Gedanken bringen – zudem brauchte ich dringend das Buch “Cocoa Programmierung für Mac OS X” (ist von Aaron Hillegass und wohl DIE Bibel für Cocoa). Noch ein wenig unkonzentriert fuhr ich in die dritte Etage von Hugendubel und brauchte ein paar Sekunden, um zu realisieren, dass der gesamte dritte Stock, der einst mit Bücher über Naturwissenschaften, Religion, Philosophie, Rechtswissenschaft, Medizin, Informatik, … gefüllt war, nun okkupiert wird von Kalendern. Klimt, Playboy, Hunde, Pferde, Delphine, Cote d’azur, Hello Kitty, … Alles bis zu 50% reduziert!

Eine Etage darunter war alles andere umgezogen, dorthin wo auch die Kinderbücher, Kochbücher, Hobbybücher, Reisebücher, etc. sind – und waren. Dementsprechend gibt es weniger Platz und so muss sich die Mathematik, Physik und die Biologie ein Regal teilen und direkt daneben stehen die Bücher über Sport/Hobby und “Fußball”. Fußball hat übrigens auch gleich einen ganzen Ausstelltisch bekommen – übrigens auch Prizessin Lili Fee und die Twilight-Trilogie/Quatrologie/What-ever (samt Kalender – diese sind noch nicht 50% reduziert, Trinkflasche, Radiergummi und T-Shirt)! Die Informatikabteilung ist gänzlich gestrichen worden, denn wozu C++ lernen, wenn man auch kistenweise Bücher über die Esoterik kaufen kann und die Klangschale, Räucherstäbchen, plus eine reichliche Auswahl an Pendel gibt es gleich daneben!

Gott sei dank habe ich mir einige Stunden zuvor bei Lehmanns (die neben ihrer reichlichen Auswahl an Fachbüchern auch eine gute Sammlung an Belletristik und klassische Literatur anbietet) “Gefährliche Geliebte” von Murakami gekauft und konnte mich in der U-Bahn von Hugendubel nach Hause ein wenig darüber hinwegtrösten, dass Hugendubel mittlerweile zu einer Art Nanunana-Buchhandlung-Hybrid mutiert ist und mehr Lese-/Schreibutensilien, mehr Merchandise-Produkte, mehr Kaffee und Kuchen verkauft, nur immer weniger Bücher!

So bleibt der Tag weiterhin zornerfüllt (ich hätte mir bei Hugendubel eine Klangschale mit einem Lebensratgeberbuch kaufen sollen – “Anti-Wut und -Zynismus für Dummies”!) und ich hoffe, dass ein anderes Buch, das ich heute auch noch gekauft habe (“Twitteratur” von Alexander Aciman & Emmett Rensin, Pinguin Books) diese Wutwolke im Bauch etwas vertreibt. Tatsächlich fängt es schon sehr gut an, es beginnt nämlich mit: “OH MY GOD I’M IN HELL!” Wenn das mal nicht interessanter ist als der gesamte Merchandise-Tisch der “Wilden Kerle”!

* Der Titel ist an dem Buch “How to be good” von Nick Hornby angelehnt, darin schreibt der Protagonist David eine Kolumne in der örtlichen Zeitung und der Name der Kolumne heißt “Der zornigste Mann von Holloway”.

Haruki Murakami: Kafka am Strand

kafka_am_strand_btb_band_73323Dieses Buch ist ein Traum.

Wenn man es einige Stunden lang gelesen hat und es dann einmal schafft für einige Minuten sich davon loszureißen, hat man stets das Gefühl in diesen Stunden eigentlich geschlafen und geträumt zu haben.

Es gleich solch einen Schlaf, den man an einem Nachmittag hält, um danach mit dumpfen Kopfschmerzen aufzuwachen, mit fahlem Geschmack auf der Zunge und mit Augen, die noch nicht die Welt hier und jetzt realisieren, sondern noch auf die Bilder des gerade eben Geträumten starren. Bei einigen der Bildern sieht man sofort, woher sie entsprungen sind – meistens nehmen sie Bezug zu alltäglichen, banalen Dingen. Doch da sind diese andere Bilder, die so mysteriös, so schön, so schrecklich, oder eben erst durch ihre Schrecklichkeit schön sind. Und nach diesen Bildern versucht man zu greifen und festzuhalten, aber sie weichen geschickt aus, wechseln ihre Gestalten und sind auch bald schon verschwunden. Zurück bleibt dieses wohlige Gefühl des Unbehagens, das sich mit der Ahnung, bald die träge Glieder strecken und in die reale Welt zurückkehren zu müssen, widerstreitet – so fühlt es sich an “Kafka am Strand” zu lesen und man bereut keine Sekunde.

Oshima, ein Freund des Protagonisten Kafka Tamura, spricht im Buch immer wieder von Metaphern. Aber es geht in diesem Buch in erster Linie nicht um die Transformation der Außenwelt in symbolträchtigen Worten, sondern um die Transformation der inneren Welt – dort, wo das Unbewusste, Unterdrückte, Gewohnheitsmäßige herrscht und sich manifestiert.

In sofern entziehen sich diese Symbole fast jegliche Deutung, beantworten nicht nur keine Fragen der Wirklichkeit betreffend, sondern geben auch keine Erklärung, die zu ihrer eigenen Festigung führen könnte. So regnet es eben Blutegel und Makrele, wenn Nakata (der übrigens mit Katzen und einem Stein sprechen kann) seinen Schirm aufspannt.  So bleibt es ungeklärt, ob Saeki tatsächlich Kafkas Mutter ist, obwohl eine von Kafkas Vater geäußerte, ödipale Prophezeiung allen Anschein nach erfüllt wurde. Solche scheinbare Widersprüchlichkeiten führen den Text keineswegs in die Absurdität oder machen ihn unglaubwürdig, denn durch die Unbestimmtheit der verwendeten Symbole fügen sie sich in das wohlige Gefühl des Unbehagens zusammen, fesseln und bedrohen dadurch. Am Ende ist man heil froh, wenn man die Starre der Glieder mit einem plötzlichen Ruck überwindet, das Buch zuklappt, vom Bette aufsteht und wieder ins reale Leben zurückkehrt. Doch obwohl man glaubt, wieder ins Licht getreten zu sein, bleibt die Ahnung, dass das Dunkle immer noch irgendwo innen drinnen schlummert.